Die Simplyright Abo-Falle: Wie mich ein Telefonat in ein neues Abo drängte
Marlene Kessler

Marlene Kessler
41, Logopädin aus Kassel · 17. August 2026

"Frau Kessler, ganz kurz nur, damit wir Ihre Kündigung sauber rausbekommen." Das war der Satz, mit dem ich hereingefallen bin.
Kurz gesagt
"Wer nur kündigen will, braucht keinen Anruf. Bekommst du trotzdem einen, ist das kein Service, das ist ein Verkaufsgespräch."
Wie ich in die Falle tappte
Mein Fitnessstudio hatte sich stillschweigend um ein Jahr verlängert. Ich hatte keine Lust auf Einschreiben, Fristen und Kleingedrucktes, also habe ich getan, was fast alle tun: gesucht. Ganz oben stand ein Kündigungsportal, sauber gestaltet, mit Siegeln, Bewertungen und dem Versprechen, mir die Arbeit abzunehmen. Kostenlos. Heute weiß ich: Kostenlos war nur der Köder.
Ich habe das Formular ausgefüllt. Alles wirkte durchdacht, bis auf ein Detail: Die Telefonnummer war ein Pflichtfeld. Für ein Schreiben, das per Post rausgeht. Diesen Widerspruch habe ich damals weggeklickt. Das war mein erster Fehler.
Das unerwünschte Gespräch
Der Rückruf kam am selben Nachmittag. Der Berater war freundlich, kompetent und hatte meine Daten schon vor sich. Zuerst ging es tatsächlich um meine Kündigung. Dann um das Risiko, dass sich das Studio querstellt. Dann darum, dass so etwas "leider immer häufiger" passiere. Und dann um ein Paket, das mich in genau solchen Fällen absichert. Die ersten Wochen kostenlos, danach ein kleiner monatlicher Beitrag, jederzeit kündbar. Es klang harmlos. War es nicht.
Ich habe nie gesagt "Ich möchte das kaufen". Ich habe gesagt: "Ja, klingt sinnvoll." Das hat gereicht. So schnell kann man in ein neues Abo rutschen.
Die Bestätigungsmail kam, während ich noch das Geschirr wegräumte. Betreff: Willkommen. Absender: eine Firma, deren Namen ich vorher nie gehört hatte. Keine Kündigungsbestätigung, sondern ein Vertrag.
Der Ablauf, Schritt für Schritt
Von der ersten Suchanfrage bis zur ersten Abbuchung vergingen bei mir knapp 50 Minuten. So lief es ab.
Die Suche
Ich google "Fitnessstudio kündigen Vorlage". Ganz oben: eine Seite, die verspricht, alles für mich zu erledigen. Kostenlos, in zwei Minuten.
Das Formular
Name, Adresse, Vertragsnummer, Telefonnummer. Das Pflichtfeld für die Telefonnummer fand ich schon damals seltsam. Eine Kündigung ist schließlich Schriftform.
Der Rückruf
Keine 20 Minuten später klingelt mein Handy. Sehr freundlich, sehr routiniert. Es gehe nur um "eine kurze Rückfrage zur Kündigung".
Der Dreh
Aus der Rückfrage wird ein Beratungsgespräch. Ob ich abgesichert sei, falls sich das Studio quer stellt. Es gebe da ein Paket, erste 30 Tage quasi geschenkt.
Das Ja
Ich sage nichts Verbindliches. Ich sage "ja, klingt sinnvoll". Zehn Minuten später liegt eine Bestätigungsmail im Postfach, mit monatlicher Zahlung.
Die Erkenntnis
Ich hatte ein Abo gekündigt und dabei ein neues abgeschlossen. Das eigentliche Produkt war nie die Kündigung. Das eigentliche Produkt war ich.
Der Trichter
Das Konstrukt dahinter
Nach meinem Anruf habe ich angefangen zu recherchieren. Was mir dabei aufgefallen ist, ist kein Urteil, sondern mein persönlicher Eindruck von einem Muster, das sich wiederholt.
Kündigungsportal
Stufe 1 · ReichweiteDer Einstieg. Kostenlos, hilfsbereit, ganz oben in der Suche. Sammelt vor allem eines: erreichbare Menschen mit einem konkreten Problem.
Callcenter
Stufe 2 · KontaktDer Rückruf kommt nicht von der Seite, auf der man war. Er kommt von jemandem, der ein anderes Produkt verkauft.
Abo-Anbieter
Stufe 3 · UmsatzRechtsschutz-ähnliche Pakete, Vertragsservices, Mitgliedschaften. Monatlich, automatisch verlängert, in der Regel selbst nicht ganz leicht zu kündigen.
Verflechtung
Stufe 4 · StrukturVerschiedene Markennamen, verschiedene Websites, überschneidende Verantwortliche. Für Betroffene sieht es nach mehreren Firmen aus. Es fühlt sich an wie eine.
Für mich als Kundin zählt nur: Ich dachte, ich rede mit einem Kündigungsservice. Tatsächlich habe ich mit einem Vertrieb geredet.
Wie ich den Schaden wieder rückgängig machte
Ich habe noch am selben Abend eine Mail geschrieben: Widerruf, ausdrücklich, mit Datum und Vertragsnummer. Dazu denselben Text per Post. Die Antwort kam zäh, mit Rückfragen und einem Gegenangebot, aber sie kam. Nach drei Wochen war der Vertrag weg, das Geld zurück. Meine Studio-Kündigung übrigens hatte ich am Ende selbst geschrieben, in vier Sätzen. Der Kündigungsservice, für den ich meine Telefonnummer preisgegeben hatte, hat sie nie erledigt.
Was du daraus lernst.
Telefonnummer ist ein Warnsignal
Wer nur kündigen will, braucht sie nicht. Ist sie Pflichtfeld, ist das kein Service, sondern ein Türöffner für Verkaufsgespräche.
Kein Ja ohne schriftlichen Vertrag
Lass dir Preis, Laufzeit und Bedingungen per Mail schicken. Erst lesen, dann entscheiden. Auflegen ist erlaubt.
Widerruf schriftlich nutzen
Bei Verträgen am Telefon gilt in der Regel ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Eine Mail mit Vertragsnummer und Datum reicht meist.
Kleine Abbuchungen prüfen
Solche Abos leben auf Kontoauszügen. Ein unbekannter kleiner Betrag ist oft der erste Hinweis, dass etwas läuft.
Meine Warnung
Wer nur kündigen will, braucht keinen Anruf. Bekommst du trotzdem einen, ist das kein Service, das ist ein Verkaufsgespräch. Du darfst jederzeit auflegen. Und du solltest es tun, bevor du ein "Ja" sagst, das dir später als Vertrag ausgelegt wird.
Dieser Text schildert meine persönliche Erfahrung und meine Meinung. Er ist keine Rechtsberatung und erhebt keinen Anspruch darauf, die Geschäftspraxis eines bestimmten Unternehmens abschließend darzustellen.